St. Anna Bokel

Das Gebiet der heutigen Pfarrvikarie Bokel wurde früher von drei Bauernschaften gebildet, die nach drei alten Meierhöfen benannt waren: Bokel (nach Rietberg hin), Helte oder Holte (an Wiedenbrück angrenzend) und Undernhorst (nach Langenberg zu). Politisch gehörten die drei Bauernschaften zur Grafschaft Rietberg, kirchlich aber zum Stift Wiedenbrück. Später war die kirchliche Zugehörigkeit - weit über die Reformation hinaus - umstritten. In den Jahren 1569/70 wurde zwischen Amt Reckenberg und Grafschaft Rietberg ein Vergleich geschlossen, demzufolge die Einwohner von Bokel und Helte die kirchlichen Abgaben weiter an Wiedenbrück entrichten, den Kirchgang aber frei wählen sollten. Als das Rietberger Grafenhaus 1535 evangelisch wurde, wandten sich die Bokeler - die ungeklärte Rechtslage ausnutzend - wieder mehr Wiedenbrück bzw. Langenberg zu. Erst als in Rietberg wieder katholischer Gottesdienst gefeiert wurde (1610), schlossen sich die Einwohner von Bokel und später auch von Undernhorst kirchlich an Rietberg an. Die Helter blieben bei Wiedenbrück.
1706/08 wurde (mit Genehmigung des Stiftes Wiedenbrück) vom Meier Holtmann bei seinem Hofe eine Kapelle gebaut und 1710/12 (mit Erlaubnis des Rietberger Grafen) eine in der Bauernschaft Bokel. Die Kapelle, die Vorgängerin der heutigen Bokeler Kirche, wurde von den Besitzern der drei umliegenden Höfe Bökamp, Bokelmeier und Brunsing errichtet. Diese später sogenannten "Kapellenbauern" sorgten auch für den Gottesdienst und den Unterhalt der Kapelle.
1714 wurde bei der Kapelle eine Schule gebaut. Da der Rietberger Pastor für den Bau der Schule und den Unterhalt des Lehrers erhebliche Summen gestiftet hatte, bekam er vom Grafen das Recht, den Lehrer für Bokel vorzuschlagen.
So entstand ein Kuriosum: Laien, die sogenannten Kapellenbauern trugen Sorge für Kirche und Gottesdienst, der Pastor bestimmte den Lehrer.
Wahrscheinlich von 1736 an wurde die Lehrerstelle mit nur kleinen Unterbrechungen bis 1872 mit einem Geistlichen besetzt. So entstand - ohne dass sie jemals offiziell begründet worden wäre - nach und nach eine Schulvikarie mit teilweise eigener Vermögensverwaltung. Die Schulvikarie wurde 1872 aufgelöst. 1875 bekam Bokel einen eigenen Kapellenvorstand m.e.V. Seit 1934 ist Bokel Pfarrvikarie m.e.V.
Seit 1983 gehört auch der Teil der ehemaligen Bauernschaft Helte zur Pfarrvikarie Bokel, der bei Wiedenbrück geblieben war.
Die erste Kirche von 1712 (Fachwerk) wurde 1862 durch einen Backsteinbau ersetzt, 1906 erweitert (Kreuzarm und Apsis) und 1948/52 erheblich vergößert und neugestaltet.

(Quelle: Erzbischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Real Schematismus des Erzbistums - Westlicher Teil, 1988)