St. Johannes Baptist Rietberg

Das Jahr 1983 wurde in Rietberg anlässlich der 500-Jahr-Feier der Pfarrkirche festlich begangen. Der spätgotische Bau wurde an der höchsten Erhebung der städtischen Siedlung (79 m) errichtet. Aus seiner Achse leicht verschoben, hat der Turm vermutlich als einziges Bauteil der Kirche den großen Stadtbrand von 1457 überdauert. Die Flammen der brennenden Kirche griffen schnell auf andere Häuser über und vernichteten damit einen Grossteil des Stadtkerns. Der damalige Pfarrer und fünf weitere Bürger kamen ums Leben.
Der Bau der neuen Kirche, vom Grafen Johann I. (1472-1516) begonnen, muß sich über Jahrzehnte hingezogen haben, denn noch für das Jahr 1516 läßt sich eine Stiftung des aus Rietberg stammenden Lübecker Kaufmanns Cord Wibbeking für die Einwölbung des Chores nachweisen. Von 1654 bis 1659 wurde die Kirche durch den Anbau von zwei Seitenschiffen erweitert. 1838 stürzte ein Teil des Gewölbes ein, so daß das gesamte Kirchengewölbe erneuert werden mußte und erst fünf Jahre später wieder benutzt werden konnte. In der Bauzeit fanden die Gottesdienste in dem Franziskanerkloster statt. Als 1897 das Gewölbe erneut drohte einzustürzen, mußte der komplette Bau zwischen Chor und Turm abgerissen werden. Die Kirchenteile wurden auf massiveren Fundamenten wieder hochgezogen. In den Jahren 1975 bis 1980 wurden umfangreiche Außen- und Innenrenovierungen durchgeführt. Wie schon 1838 und 1897 gab es wieder Schwierigkeiten mit dem Gewölbe. Die Fundamente aus Eichenbohlen und Pfählen waren morsch und weich wie Torf. Am 4. Oktober 1980 weihte der Paderborner Weihbischof Dr. Paul Nordhues den neuen freistehenden Altar im zur Gemeinde geöffneten Chorraum.
Nach Betreten der Kirche durch das Südportal fällt der Blick auf den Marienaltar von 1899 in der südlichen Chorkapelle. Aus dieser Zeit stammen auch die Kreuzwegstationen, die mit der letzten Renovierung der Kirche, im Jahre 2001, auf Rahmen gesetzt wurden. Das bedeutenste mittelalterliche Ausstattungsstück - das in der nördlichen Chorkapelle steht - ist der achseitige Taufstein von 1515 aus hellem Sandstein. Der Durchgang zur Sakristei wird von den barocken Figuren Laurentius, Erzengel Michael und Johannes Nepomuk eingerahmt. Im Durchgang hat die beachtliche Darstellung Christi als Schmerzensmann (um 1520) ihren Platz gefunden.
Die steinerne Totenleuchte von 1706 steht auf dem nördlichen Kirchplatz. Sie erinnert an den ehemaligen Friedhof rund um die Pfarrkirche. Bis 1791 wurden die Bestattungen hier vorgenommen.